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2016-04-20

Heuer vor 200 Jahren: Wir trauern um den Herzog von Nassau

Vor genau 200 Jahren, 1816, starb Friedrich Wilhelm, Fürst von Nassau-Weilburg, kurz darauf gefolgt von Herzog Friedrich August, dem in Wiesbaden residierenden Landesvater der Herzoglichen Nassauischen Lande. So beschreibt unser "Ausländer" aus Kurmainz die nassauischen Trauerfeiern in seiner "Kurzen Beschreibung derer wichtigen Begebenheiten und Kriegs Umständen":
 
"1816 Den 7. Januar hat es der Vorsehung gefallen, unseren reg. souveränen Fürsten Fried­rich Wilhelm zu Nassau Weilburg im 47. Jahre seines Alters aus der Zeitlichkeit in die Ewigkeit abzufordern, welcher 27 Jahre die Fürstenwürde begleitete. Die Landestrauer wurde nun im ganzen Herzogl. Nass. Lande auf 6 Monate nämlich vom 14. I. bis zum 14. Juli mit Einziehung von Tanz u. Musik angeordnet, und 6 Wochen mußten in jedem Orte täglich eine Stunde von 12-1 Uhr mit allen Glocken geläutet werden, u. keine Orgel durfte in den bestimmten 6 Wochen in keiner Kirche gespielt werden. Der durchlauchtigste Prinz Wilhelm wurde Thron­folger seines sel[igen] Herrn Vaters.
Nach Endigung der 6wöchendlichen hohen Trauer wurde nun die Leichenrede des höchstseligen Fürsten v. Nassau in allen Kirchen auf [Sonntag] Estomihi gehalten über die vorgeschriebenen Textworte Prov. 10 V. 7: »Das Gedächtnis der Gerechten bleibt im Segen.« In Kronberg verrichtete sie der dasige H. Pfarrer Sturm, die Trauerorgel wurde gespielt und wurde abgesungen der 563. Gesang, das Sterbelied eines Armen: »Ich will dich noch im Tod erheben« etc. und nach dem Eingang der Predigt der 9. Vers des 568. Gesanges.
Auf den 24. März 1816 gefiel es Gottes Vorsehung, unseren vielgeliebten Herzog u. Landes­vater Friedrich August, Herzog von Nassau[-Usingen], in dem 78. Jahre seines Alters aus der Zeitlichkeit in die Ewigkeit abzurufen. Er regierte als Herzog 13 Jahre. Die Landestrauer wurde im Herzogt[um] auf ein halbes Jahr angeordnet und das Trauergeläute auf 6 Wochen Mittag v. 12-1 Uhr von dem Tag seines Todes anfangend mit allen Kirchenglocken geläutet.
So wurde denn nun Wilhelm, S. fürstl. Durchlaucht v. N[assau-Weilburg] und den nass. Landen zum Herzog erklärt als er 24 Jahre alt war."
Der vollständige Text ist hier enthalten und kommentiert:

2016-04-12

Heuer vor 200 Jahren: Das Herzogtum Nassau im Jahr ohne Sommer

Menschen essen Gras zusammen mit ihrem Vieh.
Darstellung aus dem Jahr 1816
Mich hat erst jemand in einer Facebookgruppe für Amateurhistoriker darauf aufmerksam gemacht, dass heuer das "Jahr ohne Sommer" 1816 genau 200 Jahre her ist. Hier ist ein Auszug aus der "Kurzen Beschreibung derer wichtigen Begebenheiten und Kriegs Umständen" von J. P. Benack, der die Auswirkungen auf das Herzogtum Nassau erlebte und schilderte:


"Das Jahr 1816 verdient besonders aufgezeichnet u. vermerkt zu werden. Es war noch trauri­ger als ein Kriegsjahr in Betracht der üblen Witterung und Teuerung anzusehen. Der Winter nahm schon seinen Anfang im Jahr 1815 Ausgang des Monats Oktober, wo schon der erste Schnee gefallen u. mit Frost u. Schnee angehalten bis April 1816, wo man erst in der Hälfte des April anfangen konnte ins Feld zu ziehen u. daßelbe mit Sommerfrüchten bestellen zu können, welches aber doch mit vielen Beschwerlichkeiten wegen der immer stürmischen Witterung geschehen konnte; denn der ganze Frühling war kalt u. unangenehm. ... Und so mußte alles erfrieren, daß sowohl von Aepfel als auch Birnen in unserer Gegend nichts zu sehen und zu erhalten war. ... die [Preise für die] Früchte schlugen von Tag zu Tag auf, das Brot wurde teurer; denn das Korn gab nicht viel ins Maas .... Es war Jammer, Not u. Elend überall, weit u. breit, besonders bei den Armen, die sich manchmal genötigt sahen, mit ihren armen Kindern halb satt oder wohl gar ungegessen schlafen zu gehen. ... Viele Gegenden sind hart heimgesucht worden durch Ueberschwemmung, wo alle Feld­früchte ersoffen u. verfault [sind] und gar nicht konnten eingeerntet werden, auf vielen Feldern sind durch Kisselschlag die Früchte vernichtet u. zerschlagen worden. Sturm u. Winde haben in vielen Gegenden vieles Unheil verursacht, so daß ganze Bäume aus der Erde gerissen, Dächer von den Häusern abgehoben, Menschen und Tiere getötet u. beschädigt worden sind. Kein Wun­der also, daß alle Nahrung zum Lebensunterhalt teuer geworden. Indem eine Gegend die andere mit dem Notdürftigsten unterstützen mußte... u. die Not u. das Elend unter den Bedürftigen war über­aus groß."


Das war Wiesbaden und sein Umland vor genau 200 Jahren ...


Der vollständige Text ist hier enthalten und kommentiert: