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2017-11-15

Heute vor 50 Jahren: X15-Astronaut Michael Adams verunglückt tödlich



Michael Adams (3. von rechts) mit anderen MOL-Astronauten
und einem Modell der Startrakete für die geplante Station

Heute vor genau 50 Jahren, am 15. November 1967, wurde der amerikanische Pilot Michael Adams zum offiziell 27. US-Astronauten und kurz danach zu einem der Vergessenen Astronauten, die in den Büchern nicht mehr erwähnt werden.
Adams hatte nicht der NASA angehört, sondern zur ersten Gruppe der MOL-Astronauten, die für das Manned Orbiting Laboratory der U.S. Air Force ausgebildet werden sollten. Da er sich bei diesem Projekt allerdings nur geringe Chancen für einen Weltraumflug ausrechnete, bat er schon nach kurzer Zeit um seine Versetzung zum Programm des Raketenflugzeugs X15, das u. a. auch Neil Armstrong geflogen hatte. Für Adams war das die gravierendste Fehlentscheidung seines Lebens.

Der Ablauf seines Aufstiegs auf über 100 km Flughöhe, womit er sich offiziell als Astronaut qualifizierte, und des nachfolgenden Versagens seiner Maschine ist in unserem Buch "Die Vergessenen Astronauten" wiedergegeben. Hier folgt statt dessen der wenig bekannte Bericht des Fernsehjournalisten Heinrich Schiemann aus seinem Buch "Erlebte Raumfahrt", den wir in unseren Band nicht aufgenommen haben:

"Im gesamten Xl5-Programm gab es bis zum hunderteinundneunzigsten Flug keinen einzigen Unfall mit tödlichen Folgen. Um so entsetzter war man in Edwards und bei North American Aviation, als dieser Flug mit einem Absturz endete, bei dem der Pilot Mike Adams von der Air Force ums Leben kam. Das Unglück ereignete sich am 15. November 1967. Zufälligerweise war ich an diesem schwarzen Tag wieder einmal mit einem Fernsehteam in Edwards. Wir waren zwei Tage vor dem geplanten Flug dort eingetroffen und hatten zunächst am ersten Tag unseres Aufenthaltes die Flugvorbereitungen gefilmt. Wieder mal hieß Vorbereiten eines Fluges das minutiöse Durchprüfen aller lebenswichtigen Bauteile und Systeme der X15. Am zweiten Tag filmten wir das Einhängen der Maschine unter die achtstrahlige B52 zwischen ihren Rumpf und die rechte innere Triebwerksgondel. Schließlich waren wir mit der Kamera dabei, als am nächsten Tag der Pilot, Mike Adams, in die X15 einstieg. Wie bei allen vorhergehenden Flügen hatten auch bei diesem Forschungsflug die üblichen Sanitäts- und Feuerwehrwagen am Rande der Piste Aufstellung genommen, in deren Verlängerung sich das Bett von Rogers-Trockensee erstreckte. Der Start verlief normal. Anschließend donnerte die B52 mit der im Verhältnis zu ihren gewaltigen Ausmaßen zierlichen X15 über unsere Köpfe hinweg. Zwei Verfolgerflugzeuge befanden sich auch schon in der Luft. Dann ging die B52 auf ihre normale Strecke in Richtung des Nachbarstaates Nevada. Wir warteten unten auf die Rückkehr der X15, mit der ungefähr eine halbe Stunde später gerechnet wurde. Plötzlich hörten wir Lautsprecherdurchsagen und sahen zu unserem Erstaunen, daß die Rettungsfahrzeuge, statt weiter auf die Landung der X15 zu warten, zur Basis zurückfuhren. Zunächst hieß es dann lediglich, die X15 würde nicht nach Edwards zurückkehren, sondern woanders landen. Dann traf die Schreckensnachricht ein, Mike Adams war aus großer Höhe abgestürzt, was nur seinen Tod bedeuten konnte. Die letzten Worte, die man von ihm aufgefangen hatte, lauteten: »I am in a spin« - »Ich trudele.« Wir spürten fast körperlich den Schock, der innerhalb weniger Augenblicke das ganze Zentrum erfaßte. Jeder war wie gelähmt. Alle Arbeiten in den Büros und Werkstätten und auf dem Vorfeld vor den Hallen kamen zum Stillstand. Also war nach neun Jahren eines Versuchsprogramms doch das eingetreten, womit man hatte immer rechnen müssen. Wir merkten sofort, daß niemand mehr ansprechbar war und sich niemand mehr für uns interessierte. Nachdem wir unser Beileid ausgesprochen hatten, reisten wir sofort ab.


Die Absturzstelle lag in größerer Entfernung von Edwards, in der Nähe von Johannesburg in Kalifornien. Abends im Motel sahen wir dann die Aufnahmen, die ein Fernsehteam, das sofort mit einem Hubschrauber zur Absturzstelle entsandt worden war, gemacht hatte. Alles, was zu sehen war, war ein Haufen zerbeulten Blechs im Sand. In der Nähe das massive Triebwerk. Eine Auswertung der am Boden empfangenen Flugdaten ergab, daß es während des Steigflugs zu einer Störung im elektrischen System der X15 gekommen war. Sie hatte sich negativ auf die Qualität der zum Boden übermittelten Meßwerte ausgewirkt. Es war zu einer Abweichung der Richtung der Flugzeuglängsachse von der Richtung der Flugbahn gekommen, die aus nicht ganz geklärten Gründen, vielleicht wegen einer falschen Ablesung von Instrumenten durch Adams, durch ein Überreiten der Steuerautomatik noch verstärkt worden war.


Gedenktafel für Michael Adams am Absturzort
Dreißig Sekunden nach Erreichen der maximalen Flughöhe von achtzig Kilometern und nach Beginn des Eintauchens in die dichteren Schichten der Erdatmosphäre hatte der Winkel zwischen Flugzeuglängsachse und der Richtung der noch überwiegend ballistischen Flugbahn — Luftkräfte spielten in der Höhe noch keine große Rolle — einen Wert von neunzig Grad angenommen. Bei Mach 5 und in einer Höhe von siebzig Kilometern geriet die X15 dann in einen 43 Sekunden dauernden Trudelzustand, der in eine Auf- und Abbewegung der Flugzeugnase überging. Als Folge der übermäßigen Massenkräfte, denen die Maschine ausgesetzt war, brach diese schließlich noch in der Luft auseinander."